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Mistress Solitaire - Die Göttin der schwarzen Lust.

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Teil 1

Warten auf...

Er hatte wieder einmal versagt, hatte eine Regel im "Tempel der schwarzen Lust" verletzt. Ausdrücklich wurde ihm der Augenkontakt mit Mistress Solitaire untersagt. Doch betört vom schweren süßen Parfum der Domina riskierte er erst einen Blick in den atemberaubenden Ausschnitt der Herrin und dann in ihr makellos geschminktes Gesicht. Die blutroten Lippen, das arrogante Lächeln, die feurigen Augen und der kalte, strenge, durchbohrende Blick der Fürstin aus der Dunkelheit wirkten wie optische Fesseln. Er konnte sich nicht mehr befreien. Er stierte sie an.

Dummerweise war auch noch eine Zofe zugegen, die als Augenzeugin das Vergehen bestätigte. Zwei eindeutige Aussagen gegen eine gestotterte Entschuldigung. Der Sklave hatte keine Chance. Er gestand und bat um eine angemessene Bestrafung. Das Urteil von Mistress Solitaire war knapp: "Die ist Dir sicher. Das wird Folgen haben!" Dann befahl sie der Zofe, ihr Eigentum entsprechend vorzubereiten.

Jetzt ist er allein. Er steht mitten im großen Salon, in "leichter Streckfesselung, noch bequem". Die Beine mittels einer Stange gespreizt und die Handfesseln etwa in Kopfhöhe mit zwei von der Decke hängenden Ketten verankert. Maske, Halsband, nackter Körper. Entpacktes Spielzeug, zur Benutzung freigegeben.

Schummriges rötliches Licht verbreitet eine bedrohliche Stimmung. Drei flackernde Kerzen werfen tanzende Schatten an Wände und Decke. Und zur musikalischen Untermalung gregorianische Gesänge und Glockenklänge. Das dunkle Mittelalter erwacht. Der Hauch der Inquisition. Kettenrasseln, knarrendes Holz und ..?

Er ist mehr devot denn masochistisch veranlagt. Er kann Schmerzen vertragen, aber er ist nicht direkt schmerzgeil. Er fürchtet das Jenseits der Grenze. Der Lustschmerz ist ein kleines Rinnsal, die Angst ein großer Strom.

Plötzlich öffnet sich die Tür. Er zuckt zusammen. Grün und rot flackern seine Gedanken. Zum einen die Nähe der Domina spüren zu dürfen, zum anderen die Ungewissheit vor dem Kommenden. Erregung und Angst vermengen sich zu einem undefinierbaren Gefühl. Sein Herz schlägt schneller und pumpt das Blut mal in die Lenden, dann in den Kopf. Zu wenig Saft für die Schwellkörper, um den Penis gegen die Schwerkraft aufzurichten.

Die Enttäuschung gleicht einem Peitschenhieb. Es ist nur die Zofe. Sie schiebt einen kleinen Teewagen vor sich her und postiert ihn vor dem stehenden Sklaven. "Ein kleiner Gruß von der Fürstin," lächelt sie. Dann verschwindet sie wieder.

Der Teewagen ist voll bepackt mit bösem Spielzeug. Jede Menge Klammern, kleine und große Gewichte, Peitschen, Gerten, Kerzen, zwei Stromgeräte und eine Box aus dem Medizinhandel. Kleenex? Die Beschriftung liefert die Antwort zum Inhalt. Nadeln! Eine ganze Box mit Nadeln.

Die Erziehungshilfen scheinen zu leben. Er glaubt, ihr Flüstern zu vernehmen: "Selber schuld! Nun wirst Du mit uns Bekanntschaft machen. Wir werden miteinander vermählt. Und Mistress Solitaire wird uns trauen." Bizarre Hochzeit im Tempel der schwarzen Lust.

Er begreift den bizarren Gruß der Domina. Er ist nicht mehr allein. Jetzt ist die Angst sein treuer Begleiter. Sie kriecht in ihm hoch, ergreift von ihm Besitz, legt sich wie ein schwarzes Tuch über seine Gedanken.

Seine Phantasie arbeitet auf Hochtouren. Sie knetet den kleinen Rest an Verstand. Geilheit und Angst zerfließen zu einer bizarren Mischung. Der Urteilsspruch der Domina brennt sich in sein Gehirn wie das Brandzeichen bei einem Rind. "Das wird Folgen haben!" Er ahnt, dass die Korrektur seines Fehlverhaltens extrem schmerzhaft ausfallen wird. Falsch! Er weiß es. Aus leidvoller Erfahrung. Denn ein Credo der dominanten Fürstin lautet: "Die wahre Strafe beginnt immer erst jenseits der Grenze des Erträglichen!"

Nein! Er will sich der Strafe nicht stellen. Er will abbrechen. Er will schreien. Laut um seine Befreiung bitten. Er will ´raus. Zurück in das normale Leben.

Doch er bleibt. Er bleibt stumm. Und es sind nicht die Deckenketten, die ihn zurückhalten. Er kann nicht loslassen. Er ist gefesselt von dem Wunsch, auch weiterhin die Nähe der göttlichen Domina erleben zu dürfen. Ihren festen und sicheren Gang erkennen am Geräusch der hohen Absätze. Ihren aufreizenden Körper, hochgeschlossen und vollkommen eingetaucht in Netz und Leder. Er will ihre Stimme hören, ihr süffisantes und arrogantes Lachen. Er will ihr Parfum einatmen. Begieriger als Sauerstoff. Er verlangt nach dem durchbohrenden strengen Blick ihrer feurigen Augen, die sich gleich glühenden Nadeln in seine Seele bohren.

Er begreift. Vor der fruchtbaren Oase liegt immer die staubtrockene Wüste. Erst nach dem Tal der Tränen wird er auch weiterhin vor den Stiefelspitzen von Mistress Solitaire knien dürfen. Immer schön von unten nach oben. Erst die Dornen, dann die Rosenblüte. Erst nach einem Bad in Schmerzen wird sich ihm die Göttin der schwarzen Lust zu erkennen geben. Erst danach. Erst die Hölle, dann der Himmel. Nur diese Reihenfolge gilt im Reich einer Göttin.

In seinen Ohren weiterhin die gregorianischen Gesänge. Das Musikstück hört er nun zum zweiten Mal. Demnach steht er nun schon weit mehr als eine halbe Stunde in gespreizter und gefesselter Position und wartet auf seine Bestrafung. Vor ihm der Wagen mit den kleinen Gemeinheiten. Erste Hinweise? Vorboten der Hölle?

Die Zeit verrinnt. Schmoren lassen - eine bei Mistress Solitaire beliebte und bewährte Methode, um Widerstände abzuschmelzen. Zur Förderung der Aufgabe. Zur Förderung der Hingabe.

Was der Saft für den Braten, das sind für ihn Sehnsucht und Verlangen. Er will fallen. Vor die Stiefel der Domina. Er ist süchtig nach ihrer Nähe. Er verlangt nach schwarzer Lust, sehnt sich nach ihren bizarren Liebkosungen. Der Braten ist durch. Er hat sich verändert. Er ist schmerzgeil gekocht.

Zwischen den Beinen sammelt sich der Saft. Sein Penis verhärtet sich. Richtet sich auf. Erst zum Schwanz, dann zum fleischigen Knochen. Und die Gedanken sammeln sich zu einem einzigen Wunsch: ´Göttin der schwarzen Lust, wann gewähren Sie mir die Gnade Ihres Erscheinens? Ich bin bereit. Auch zum Leiden. Führen Sie mich. In Versuchung. Und durch die kleinen Höllen jenseits der Grenze!

Doch nichts passiert. Nur die Mönche antworten mit ihren gregorianischen Gesängen.


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